Útilív Adventure Festival

Da stand es also an - das Abenteuer 2018! Auch in diesem Jahr sollte es wieder an einen Ort gehen, den sowohl Laura, als auch ich, noch nicht bereist hatten. Auf Entdeckungsreise und eine neue Gegend, Kultur und Menschen kennenlernen. Am liebsten garniert mit einem Trailrun. Klar! Ende letzten Jahres wurde ich ja schon fast ungeduldig, aber wenige Stunden vor dem Heiligen Abend, also wirklich schon lang her, kam Laura mit einem Vorschlag um die Ecke der mir keine andere Wahl ließ, als mich sofort anzumelden. Und zwar beim Útilív Adventure Festival! Ein Wochenende mit Trailrunning, Party und verschiedenen Abenteuern. Wo? Auf den Färöer Inseln. Diese kleine Inselgruppe im Nordatlantik hat mich schon immer angelockt. Klein und zerklüftet, aber auch grün durch das sehr wechselhafte Wetter.

Anfang September war es dann endlich soweit. Wir packten unsere sieben Sachen und flogen los. Der Blick aus dem Fenster beim Landeanflug zeigte uns dann sofort diese Dinge, die wir schon von Bildern kannten. Steile Klippen und die Gischt vom Ozean. Oben eine grüne Graslandschaft. Seicht ansteigende Hügel und hier und da ein kleines Häuschen mit ebenfalls Gras auf dem Dach.
Also raus aus dem Flieger, durch das kleine Flughafengebäude und ab in diese fabelhafte Welt. Das Ziel war für die ersten Tagen der Ort Tórshavn. Zwar die Hauptstadt von Färöer, allerdings sehr sehr klein. Die Supermärkte muss man suchen - ebenso die kleinen Cafés und Restaurants. Aber überall ganz warmes Licht in den Häusern und alles sehr liebevoll gestaltet. Die Menschen dort kamen mir erst still und sehr zurückhaltend vor, aber hatte man erst ein paar Wörter mit Ihnen ausgetauscht, so war ihre warmherzige Art sofort zu spüren. Und auch am ersten Tag Ihre Liebe zum Fußball. Nach dem Abholen der Startunterlagen und einem kleinen Videoabend  lief das Fußball-Länderspiel gerade in vollem Gange und wir konnten die fröhlichen Gesänge der Fans hören bis weit in die Dunkelheit hören.
Mit diesem ersten Eindruck verabschiedeten wir uns dann auch schon in die Nacht vor dem Lauf.
 
Am Renntag wurden wir im Bus zu unserem jeweiligen Startort gebracht. Laura lief über 42km und musste schon etwas früher los und so fuhr ich einfach etwas später mit dem Bus, der uns zum Start der 21km langen Strecke brachte. Oder besser kurz davor, denn die letzten Meter in eine einsame Bucht gingen wir alle zusammen zu Fuß. Die Atmosphäre war total entspannt und unaufgeregt, später bei original Färöer-Musik vernahm man, in andächtiger Stille nur noch das Rauschen des Meeres.  
Die Startlinie wurde kurz mit dem Fuß in den Strand gezeichnet und uns wurden ein paar Dinge mit auf den Weg gegeben. Dann Start und los ging es. Immer von Fähnchen zu Fähnchen laufen. Mal waren sie enger gesteckt, mal etwas weiter auseinander, so dass man auch mal den Blick etwas schweifen lassen musste.
Der Trail war erst sanft ansteigend und das Tempo etwas höher, dann immer steiler und bald war nur noch an marschieren zu denken. Ich bin oben am Berg zusammen mit ein paar Engländern angekommen und auch kurz beim Blick über diese tolle Landschaft innegehalten. Dann aber rasant den Downhill herunter. Rasant teilweise nur bedingt, war er doch extrem steil und weglos und nicht immer die nächste Fahne zu erkennen. Schnell waren einige der Engländer auch schon in weiter Ferne und im Nebel verschwunden. Dieser wurde immer dichter und bald war die Suche nach den Fahnen das Schwierigste. Dafür tauchten nach einer Weile die Weggefährten aus England wieder auf und so suchten wir gemeinsam - lange und ausdauernd. Bei jeder Fahne rief immer einer der Teilnehmer den anderen zu und so kamen wir langsam und stetig voran. Bis zu einem Punkt, an dem wir einfach keine weitere Fähnchen mehr gefunden haben. Den Track leider nicht vorher ausgehändigt bekommen, waren wir auf uns alleine gestellt. In dieser Situation war auch mal der Wettkampf nicht mehr so wichtig, hatten wir doch unser ganz eigenes Abenteuer und gefallen daran gefunden. Jedenfalls hatten wir sehr viel Freude. Die Richtung zum Ziel stimmte, der Weg wurde immer steiler und so kletterten wir bald die Klippe zum Ziel herunter. Zusammen auf einander acht gegeben, einander geholfen und dann dem Ziel entgegengelaufen. Die Ziellinie sehr glücklich und Hand in Hand überquert. Großes Anstoßen mit original Bier von der Insel und dann in den Hot Tub und die Sauna, die dort auf uns wartete.
Und Laura? Sie lief über die 42km und kam als dritte Frau gegen Mittag glücklich, geschafft und strahlend ins Ziel gelaufen. Erfüllt von den vielen Stunden durch das meist weglose Terrain, über felsige Berge, endlos grüne Wiesen, die steilen Anstiege zum Teil auf allen vieren hinauf und nahezu schwerelos hinunter. Begleitet von den meist irritierten Blicken der Schafe und der ausgelassen umhertrabenden Islandpferde, die angesichts der bunten Läufer über die Wiesen tollten. Im Ziel dann aber das gleiche Programm: Hot Tub, dann ab in die Sauna (mit Bier ;-)) und zu guter Letzt noch den Sprung ins kalte Meer. Nach der warmen Suppe ging die Party unter dem Zielbogen weiter, wo jeder Teilnehmer feierlich empfangen wurde.
Am nächsten Tag wartete schon das nächste Abenteuer. Ging es doch morgens erst einmal auf eine kleine Kajaktour im eisigen Gewässer und danach noch mit einer Gruppe an Teilnehmern auf ein altes Segelboot. Der etwas ältere Kapitän von diesem schönen Holzschiff fuhr mit uns einmal um eine benachbarten Insel herum und so konnten wir das Land auch von der Seeseite aus kennenlernen. Der Kapitän ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Nicht durch die vielen Sportler, nicht durch die Musik an Bord und erst recht nicht durch die Wellen, die den Ausflug erst richtig aufregend werden ließen.
Mit der kleinen Abschlussfeier am Leuchtturm von Thórshavn ein schönes Finale von einem rundherum gelungenen Wochenende. Die Veranstalter haben uns wirklich ein fantastisches Rahmenprogramm geboten und so war Start unserer Reise in den Norden mehr als perfekt.

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Kommentare: 3
  • #1

    alexander (Dienstag, 25 September 2018 06:28)

    Wow, was für ein toller Bericht -fast fühle ich mich als Leser, als ob ich dabei gewesen sei.
    Welch ein nettes amuse gueule das Appetit auf „einen Nachschlag“ aufkommen lässt. Wann erscheint der nächste Gang dieses spannenden Reise-Menüs?

  • #2

    Trailsau (Dienstag, 25 September 2018 17:08)

    macht Lust auf Trailabenteuer ��

  • #3

    Carsten (Dienstag, 25 September 2018 22:09)

    Hallo Alexander,
    danke für Dein Feedback. Das freut uns sehr, dass der Bericht dir gefallen hat. Und ja, alsbald gibt es auch noch Zeilen und Bilder zur weiteren Zeit auf den Inseln.
    Liebe Grüße,
    Carsten